Dresdner Frauenkirche: Auferstanden aus Ruinen


Dresdner Frauenkirche: Auferstanden aus Ruinen
Dresdner Frauenkirche: Auferstanden aus Ruinen
 
Die Dresdner Frauenkirche wurde als Demonstration der Stärke des Protestantismus nach den Plänen von Georg Bähr und Johann Christoph Knöffel errichtet. Der Bau begann 1726 und war 1743 zu Ende. Die quadratische Kirche mit ihrer hohen Kuppel und den vier Treppentürmen war das größte protestantische Gotteshaus in Deutschland und ein Wahrzeichen Dresdens. Am 13. Februar 1945 wurde die Kirche in jenem verheerenden Luftangriff der Royal Air Force auf Dresden fast total zerstört. Zu DDR-Zeiten blieb sie als Mahnmal unberührt. Im Herbst 1989 wurden die Gedanken an eine archäologische Rekonstruktion akut. Ein Förderverein bildete sich und Spenden gingen ein. 1993 begann die archäologische Enttrümmerung, und 1994 war Baubeginn der rekonstruierten Frauenkirche. Der Wiederaufbau soll laut Planung im Jahre 2006 beendet sein und insgesamt ca. 250 Millionen DM kosten, die ungefähr zur Hälfte aus privaten Spenden finanziert werden sollen.
 
 Die FrauenKirche als Demonstration des Glaubens
 
Kurfürst August II., genannt der Starke, von Sachsen ließ sich 1697 zum König von Polen wählen und konvertierte bei dieser Gelegenheit vom Protestantismus zum Katholizismus. Die protestantische Bevölkerung Sachsens und dessen Hauptstadt Dresdens war hierüber alles andere als begeistert und suchte auch nach außen hin ihr verbrieftes Recht auf Glaubensfreiheit zu zeigen. In dieser Situation beschloss der Rat Dresdens anstelle der spätgotischen Kirche am Neumarkt ein Monument ihres Glaubens zu errichten: die größte protestantische Kirche Deutschlands, die Frauenkirche. Der Architekt und Ratszimmermeister Dresdens, Georg Bähr (1666—1738) legte 1722 den ersten Entwurf vor. Kurfürst August II. bereitete dem Vorhaben keinerlei Schwierigkeiten, sondern förderte es sogar durch Geldspenden. Das kurfürstliche Oberlandbauamt beteiligte sich obendrein mit einem eigenen Bauentwurf von Johann Christoph Knöffel (1686—1752) an der Planung. Bähr hatte einen Bau in Form eines griechischen Kreuzes mit einem halbkreisförmigen Chor im Osten vorgesehen, dessen Innenraum achteckig angelegt sein sollte. Knöffels Entwurf sah einen quadratischen Bau mit einem runden Emporeneinbau und einer von zwei Türmen flankierten Westfassade vor. 1726 legte Bär seinen zweiten und endgültigen Bauplan vor, in dem er einige Anregungen von Knöffel übernommen hatte. In diesem Jahr begannen auch die Bauarbeiten.
 
 Der Kirchenbau
 
Der endgültige Bauplan ging von dem knöffelschen quadratischen Grundriss aus, aber ohne dessen Westfassade mit den beiden Türmen. Die Treppenaufgänge wurden stattdessen in vier Türmen in den Ecken des Gebäudes untergebracht, die sich der mächtigen Kuppel, die von acht Säulen getragen wird, unterordnen. Der Innenraum ist rund gestaltet mit einem ovalen, nach außen vortretenden Chor im Osten und mit vier Emporen. 1729 war der Bau bis zum Hauptgesims fortgeschritten. Zu diesem Zeitpunkt entschloss sich Bär, die Kuppel nicht wie ursprünglich geplant aus Holz sondern aus Stein zu bauen. Gaëtano Chiaverie (1689—1770), der Architekt der katholischen Hofkirche, äußerte hierzu Bedenken, da die Last der Steinkuppel nur auf den Pfeilern und nicht auf den Außenwänden ruhe. Der Rat der Stadt befand die statischen Berechnungen Bärs für richtig und die Steinkuppel wurde errichtet. (Eine Überprüfung des Baus in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts zeigte, dass Chiaveries Bedenken berechtigt waren, und so wurden Sicherungsmaßnahmen notwendig.) Die Frauenkirche wurde noch unfertig im Jahre 1734 geweiht. 1738 verstarb Georg Bär, und sein Schüler Johann Georg Schmidt vollendete zusammen mit Johann Gottfried Fehre bis 1743 das Bauwerk. Das Innere der Frauenkirche schmückte an der Kuppel ein 1734 erstelltes Gemälde der vier Evangelisten und der christlichen Tugenden von Johann Baptist Grone. Der Altaraufbau, der darüber liegende Orgelprospekt und die Kanzel am linken Pfeiler wurden von Johann Christian Feige d. Ä. 1733—1739 errichtet und das Orgelwerk von Gottfried Silbermann im Jahre 1736.
 
 Die Frauenkirche in Zahlen
 
Die Bauzeit der Frauenkirche betrug 17 Jahre. Sie bot in ihrem Inneren Platz für ca. 3 600 Gläubige, die die Kirche über sieben Eingänge betreten konnten. Der Durchmesser der Kuppel betrug 23,5 m und die Gesamthöhe der Kirche 95 m. Bis zu ihrer Zerstörung am 13. Februar 1945 war die Frauenkirche damit die größte protestantische Kirche Deutschlands. Die Kosten für den Wiederaufbau liegen bei schätzungsweise 250 Millionen DM. Ca. 5 500 Originalbausteine konnten gerettet und für den Wiederaufbau deponiert werden. Am 27. Mai 1994 begann der Wiederaufbau, der im Jahre 2006 fertig sein soll. Bereits 2004 soll laut Planung der Innenraum der Kirche vollendet sein.
 
 Die Zerstörung und der Wiederaufbau der Frauenkirche
 
Bei dem verheerenden Luftangriff auf Dresden am 13. Februar 1945, bei dem ein großer Teil der Innenstadt zerstört wurde, wurde auch die Frauenkirche fast vollständig in Schutt gelegt. Die Trümmer blieben allerdings allesamt vor Ort erhalten, sodass eine archäologische Rekonstruktion (Wiederaufbau unter Verwendung der Originalsubstanz) immer im Bereich des Möglichen lag. Zu DDR-Zeiten sollte die Ruine als Mahnmal erhalten bleiben. Erst im Herbst 1989 wurde der Gedanke an einen Wiederaufbau real und eine Bürgerinitiative zu diesem Zwecke gegründet. Es wurde jedoch schnell klar, dass weder die evangelische Kirche, noch die Stadt Dresden noch das Land Sachsen die Kosten hierfür alleine tragen konnten, die 1990 auf ca. 160 Millionen Mark geschätzt wurden. Derweil gingen aber schon beträchtliche Spendengelder auf das Konto der Bürgerinitiative für den Wiederaufbau ein, und namhafte Künstler und Politiker engagierten sich für eine Rekonstruktion der Kirche. Die evangelische Landeskirche, die zunächst gegen einen Wiederaufbau war, stimmte 1991 zu, die Dresdner Stadtverordnetenversammlung 1992. Für die historisch getreue Rekonstruktion der Frauenkirche konnte der in Dresden geborene Architekt Günter Behnisch gewonnen werden, der die Bauten für die Olympischen Spiele 1972 in München und das Bundestagsgebäude in Bonn errichtet hatte. Zwischen Februar 1993 und Mai 1994 fand die archäologische Enttrümmerung der Ruine statt. Nicht oder nur leicht beschädigte Bauteile wurden für den Wiederaufbau aus möglichst vielen Originalteilen sortiert und aufbewahrt. Am 27. Mai 1994 begann der Wiederaufbau der Frauenkirche. Die Kosten wurden inzwischen auf ca. 250 Millionen Mark geschätzt. Diese Kosten werden ungefähr zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln und zur Hälfte aus Spenden aufgebracht. Viele Privatleute, Initiativen und Firmen haben inzwischen beträchtliche Beträge gespendet und die 10-DM-Sondermünze »Wiederaufbau Frauenkirche Dresden« brachte 45 Millionen in die Kasse. Seit dem Jahr 1995 wird die Frauenkirche auch wieder von einem Pfarrer betreut. Am 13. Februar 2000 war der Bau zu einem Drittel fertig gestellt. Der »Dresden Trust«, ein englischer Förderverein, hatte eine vergoldete Turmspitze gestiftet, die an diesem Tage eingebaut wurde. Schöpfer dieses Kunstwerkes ist ein Londoner Kunstschmied, dessen Vater zu den Bomberbesatzungen gehörte, die Dresden im Jahre 1945 vernichteten. Diese Geste der Völkerversöhnung zeigt die große symbolische Wirkung, die der Wiederaufbau der Frauenkirche besitzt.
 
 
Jean Louis Sponsel: Die Frauenkirche zu Dresden. Geschichte ihrer Entstehung von Georg Bährs frühesten Entwürfen an bis zur Vollendung nach dem Tode des Erbauers. Dresden 1893, Nachdruck Halle 1994.
 
Die Dresdner Frauenkirche. Geschichte, Zerstörung, Rekonstruktion, herausgegeben vom Dresdner Geschichtsverein e.V., bearbeitet von Hans-Peter Lühr Dresden 1992.
 Hans Strehlow und Jens Wonneberger: Der Atem der Steine. Die Ruine der Frauenkirche in Dresden. Mainz 1993.
 Peter Müller:Die Frauenkirche in Dresden. Baugeschichte, Vergleiche, Restaurierungen, Zerstörung, Wiederaufbau. Weimar 1994.
 Heinrich Magirius: Die Frauenkirche Dresden. Regensburg 1999.

Universal-Lexikon. 2012.